Neue Nationalgalerie Berlin
Ruin und Rausch Berlin 1910–1930
Mit „Ruin und Rausch“ nimmt die Neue Nationalgalerie ausgewählte Werke aus ihrer Sammlung der Klassischen Moderne in den Blick, die das Berlin der 1910er- und 1920er-Jahre thematisieren. Diese Jahrzehnte – geprägt von Erstem Weltkrieg und Weimarer Republik – schwankten beständig zwischen Gegensätzen: Exzess und Armut, Emanzipation und Extremismus gingen in der rasant wachsenden, kosmopolitischen Metropole Hand in Hand. Mit rund 35 Werken unterschiedlicher Stilrichtungen macht die Ausstellung diese Ambivalenzen im damaligen Berlin erlebbar.
Um 1910 war Berlin im Aufbruch: Die Stadt wuchs rasant und wurde zu einem der wichtigsten Zentren der Moderne weltweit. Technischer Fortschritt in Industrie, Bauwesen und Verkehr gingen mit dem Aufkommen einer neuen Massen- und Freizeitkultur einher. Auf dem Weg vom konservativen Kaiserreich zur demokratischen Weimarer Republik wandelte sich auch das geistige Klima der Stadt, das durch starke Gegensätze geprägt war: befreiend und beängstigend zugleich, chaotisch und innovativ, glanz- und unheilvoll.
Die Traumata des Ersten Weltkriegs und politische Unruhen überschatteten die sogenannten „Goldenen Zwanziger“. Auf vielen Ebenen befand sich die Metropole in Aufruhr: Freiheit, Konsum und Exzess standen wachsender Armut und Arbeitslosigkeit gegenüber. Bereits damals wurde Berlin in Anspielung auf das biblische Babel als „Babylon“ bezeichnet, wo Menschen aus aller Welt zusammenkamen und moralische Grenzen überschritten.
„Ruin und Rausch“ thematisiert in drei Kapiteln die Gleichzeitigkeit von Glanz und Elend, Aufstieg und Abgrund im Berlin der 1910er- und 1920er-Jahre. Den Auftakt bildet das Gemälde „Potsdamer Platz“ von Ernst Ludwig Kirchner, der bereits 1914 das zerrissene Lebensgefühl der Zeit ins Bild setzte. Nachdem Eingangs die Dynamik der wachsenden Metropole mit Blick auf Architektur, Verkehr und Nachtleben in den Blick genommen wird, widmet sich der zweite Teil der Ausstellung dem sozialen Elend und den Entbehrungen, die den Alltag der Bevölkerung überwiegend prägten. Das dritte Kapitel beleuchtet unterschiedliche Facetten der urbanen Frau, wobei Freiheitsdrang, Selbstbestimmung und queeres Leben sichtbar werden. Am Ende steht Lotte Lasersteins melancholisches Werk „Abend über Potsdam“ von 1930, das den erstarkenden Nationalsozialismus reflektiert.
- Veranstaltungsort
- Neue Nationalgalerie Berlin
Potsdamer Straße 50
DE-10785 Berlin
- Veranstalter
- Neue Nationalgalerie Berlin
- Wann?
- 25.04.2026-20.12.2026
